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Sport nach Bandscheibenvorfall: Mit Aquafitness wieder fit

Spätestens mit dem Alter kommen die Wehwehchen mit dem Rücken – für manche früher, für andere später. Und plötzlich geht gar nichts mehr: Bandscheibenvorfall.
Aquafitness kann nach einem Bandscheibenvorfall helfen, Schmerzen zu lindern und wieder beweglich zu werden.

Ingrid Berger-Knipp von Torsofit aus Bonn bringt genau solche Bandscheibenvorfall-Patienten in ihren Aquafitness-Kursen gezielt wieder auf Trab, um die körperlichen Schwachstellen bewusst zu stärken.

 

 

Wie kann Aquafitness dazu beitragen, dass man nach einem Bandscheibenvorfall wieder beweglich wird?

Im Wasser fällt jede Bewegung leichter, weil sich durch den Auftrieb das gefühlte Körpergewicht auf 10% des realen Gewichts verringert. Schon allein dadurch lindert Aquafitness Schmerzen. Langfristig wird durch das Training die Muskelkraft verbessert. Anders als beim funktionellen Training an Land, werden dabei Gelenke und Sehnen geschont.

Spielt der Beckenboden eine besondere Rolle beim Training? Wie genau stärkst du ihn?

Der Beckenboden ist eine wichtige Basis für die Aufrichtung der Wirbelsäule. Im Wasser ist er durch den Auftrieb keinen stärkeren Belastungen ausgesetzt, weil der Körper so viel leichter ist. Dadurch werden für Teilnehmer mit Bandscheibenvorfall auch Übungen möglich, die an Land schmerzhaft wären – z.B. Frosch- oder Hampelmann-Sprünge.

Eine schöne Übung für den Start ist auch, einfach mal zu versuchen, einen festen Stand im Wasser zu halten. Dabei ist es wichtig, den Bauch anzuspannen und nur mit dem Oberkörper zu arbeiten – z.B. die Arme gestreckt zur Seite zu führen und dann vor dem Körper mit den Handflächen zusammen zu „klatschen“.

Absolvieren die Teilnehmer mit Bandscheibenvorfall ein eher sanftes oder ein forderndes Training?

Sowohl als auch. Es kommt immer auf die genaue körperliche Beeinträchtigung an. Ein Teilnehmer mit akutem und schmerzhaften Bandscheibenvorfall wird am Anfang eher langsamere und kontrollierte Bewegungen vorziehen.

Im Wasser ist es aber immer so, daß Bewegungen leichter fallen und weniger schmerzhaft sind als an Land. Dadurch fühlen sich die meisten Teilnehmer mit Bandscheibenvorfall relativ schnell sicher und führen dann auch gerne fordernde Bewegungsabläufe durch.

Daher sollten die Übungen immer rückengerecht sein und gezielt die Muskulatur der oberen und unteren Extremitäten trainieren. Es gibt immer eine Anfängerübung, die dann je nach Leistungsniveau aufgebaut werden kann. Z.B. einfaches, lockeres Joggen mit Armeinsatz am Platz, dessen Tempo langsam bis zu schnellen Scherensprüngen mit kräftigem Armeinsatz gesteigert wird.

Wichtig ist nur, dass sich die Teilnehmer mit Bandscheibenvorfall nicht überschätzen. Das passiert leider schnell, weil die Übungen im Wasser so viel leichter fallen. Das kann sich aber nach dem Training mit neuen Schmerzen und Beschwerden rächen. Deshalb achte ich als Trainer immer sehr genau darauf, dass sich meine Teilnehmer nicht überfordern.

Ist es wichtig, dass deine Teilnehmer mit Bandscheibenvorfall mit einer bestimmten Wassertemperatur trainieren?

Eine Wassertemperatur von 28 bis 30 Grad Celsius ist optimal für das Training im Wasser. Wärmer sollte das Wasser nicht sein, weil es dann den Kreislauf zu stark belasten kann. Zu kaltes Wasser ist aber gerade bei Teilnehmern mit Bandscheibenvorfall oder rheumatisch erkrankten Menschen nicht sinnvoll. Denn je nachdem wie stark die Beschwerden des Teilnehmers gerade sind, kann er Übungen nur langsam durchführen. Ist das Wasser dann zu kalt, kühlt er schnell aus, friert, verspannt und setzt damit einen weiteren Schmerzkreislauf in Gang. Das würde jedem Menschen die Lust und Freude an der Bewegung im Wasser nehmen.

Gibt es Übungen, die Bandscheibenvorfall-Teilnehmer an Land nicht ausführen könnten?

Beim funktionellen Landtraining wird zwar die Muskultur gestärkt und gekräftigt – z.B. mit Hanteln, Gewichtsstäben, Therabändern oder beim Training mit dem eigenem Körpergewicht. Aber es fällt dem Teilnehmer viel schwerer, weil es schmerzhafter und anstrengender ist. Im Wasser sind all die Übungen, die wir auch an Land machen, viel, viel leichter und erzielen trotzdem den gleichen Effekt!
Z.B. schmerzen seitliche Rumpfdrehungen im Stand oder Liegen bei einem Bandscheibenvorfall im unteren Lendenwirbelbereich sehr. Führe ich aber eine ähnliche Übung im Wasser aus, hat der Teilnehmer kaum ein Problem damit.  Ähnliches gilt für Bandscheibenprobleme im Halswirbelbereich. Hanteltraining an Land ist unglaublich schmerzhaft (wenn auch effektiv). Lasse ich die Patienten im Wasser mit Hanteln arbeiten, ist das fast ein „Kinderspiel“!

Worauf sollten Menschen mit Bandscheibenvorfall grundsätzlich im Schwimmbad achten? Gibt es besondere Gefahren und wie kann man sie umgehen?

Wichtig sind rutschfeste Badeschuhe, damit man nicht in den Duschen oder im Umkleidebereich ausrutscht und hinfällt. Gerade Teilnehmer, die noch etwas unsicher auf den Beinen sind, sollten zudem Krücken oder einen Rollator als Gehhilfe nutzen.
In den meisten Therapiebädern werden solche Hilfsmittel auch zur Verfügung gestellt, um die Patienten „unversehrt“ ins Wasser zu geleiten.

Bei Teilnehmern mit Bandscheibenvorfall, die auch mit Herz-Kreislaufproblemen zu tun haben, kann der hydrostatische Druck im Wasser zu einem Problem werden. Denn wenn man ins Wasser steigt, verlagert sich das Blut in den Brustkorb und das Herz muss mehr pumpen. Deshalb ist es wichtig, dass der Teilnehmer im Vorfeld ein ärztliches Attest einholt und dieses auch dem Trainer zur Verfügung stellt, damit sich dieser darauf einstellen kann. Z.B. kann der Trainer dann entscheiden, bei diesem Teilnehmer die Übungszeiten am Anfang etwas zu verkürzen (z.B. 30 min statt 45 min).

Herzlichen Dank, Ingrid, für deine Zeit und das nette Gespräch!

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Autor: Tina Stavemann
Bildnachweis: marqs / photocase.de

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