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Aquafitness: Austoben ohne Angst vor dem Morgen

Kamil manka / unsplash.com

Gisela Enders ist bekennende Dicke und Aquafitness-Enthusiastin. Von „Blümchen-Aquafitness“ hält sich nichts. Wenn schon Trainieren, dann muss es auch anstrengend sein, ist ihre Devise. Im Interview gewährt sie mir einen Einblick in ihre Sicht auf den schönsten Sport der Welt!

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Wie bist du zum Aquafitness gekommen?

Ich bin schon immer viel geschwommen – Brust und auch mal Kraulen. Im Verein zu schwimmen oder auch Kurse zu besuchen, war nie so mein Ding. Mir war es immer wichtig, nicht an bestimmte Zeiten gebunden zu sein. Ich bin gern unabhängig.
Aber im Urlaub habe ich öfters an Aquafitness-Kursen im Hotel teilgenommen. Das hat mir immer viel Spaß gemacht – auch wenn das eher „Blümchen-Aquafitness“ war, wenn ich das mit dem Training vergleiche, das ich heute absolviere. (lacht)

Irgendwann habe ich mich in Berlin dann bei einer großen Fitnesskette angemeldet, um regelmäßig Sport und Wellness in meinen Alltag einzubinden. Und dort gab es einen Pool und diverse Aquafitness-Angebote. Mittlerweile bin ich „angefixt“ und gehe ca. 2x wöchentlich zu einem der Aquafitness-Kurse. Da bin ich auch wieder zeitlich flexibel, weil es so viele Optionen gibt.

Was gefällt dir am Aquafitness-Training so gut?

Also ehrlich gesagt ist das für mich persönlich so ein „Plantschen für Große“ (lacht). Da mache ich Hampelmänner im Wasser, wirbele das Becken auf und es ist ok. Ich darf mal wieder ein bisschen Kind sein und es ist gesellschaftlich akzeptiert. Das ist schon toll, denn allein würde ich die Übungen nicht im Pool machen. Die Gruppe ist da ein geschützter Raum für mich, auch wenn ich sonst nicht schüchtern bin.

Außerdem kann ich im Wasser ganz andere Übungen als an Land machen, weil die Bewegungen abgefedert werden. Das macht Spaß, weil ich meinen Körper viel dynamischer wahrnehme. Gerade für mich als dicke Frau war das eine neue Erfahrung.

Jetzt hast du im Fitnessstudio ja diverse TrainerInnen erleben dürfen. Was ist dir besonders wichtig?

Für mich ist essentiell, dass ich die Übungen auch noch verstehen kann, wenn 40 Leute im Wasser stehen und die Geräuschkulisse entsprechend laut ist. Das heißt: Ich erwarte, dass der Trainer neue Übungen z.B. durch Klatschen ankündigt. Schließlich kann er oder sie da vorne auch nicht den ganzen Tag gegen den Geräuschpegel anschreien…Klatschen hört man aber immer sehr gut. Außerdem ist es wichtig, dass die Übungen überdeutlich vorgemacht werden – am besten aus verschiedenen Positionen, damit auch jeder im Becken sie nachvollziehen kann – auch die Brillenträger, die ja ohne Sehstärke im Wasser stehen.

Die Musik ist mir auch ganz wichtig. Sie macht das Training für mich erst rund. Und an der Stelle bin ich penibel: Die Songs müssen in der Taktung zur Übung passen. Das gelingt leider nicht vielen Trainern. Oft hat man auch das Gefühl, sie wissen nicht, wie die Übung im Wasser ausfällt und vor allem, das es die Bewegungen abbremst. Da passt dann einfach kein superschneller Beat mehr, weil den niemand umsetzen kann.

Außerdem würde ich mir auch eine größere Körpervielfalt bei den Trainern wünschen. Ich bin dick und kann deshalb manche Übungen nur in anderen Varianten durchführen. Die erschließe ich mir mittlerweile selbst, weil nur die wenigsten Trainer auf unterschiedliche, körperliche Voraussetzungen der Teilnehmer eingehen.
Das können ja auch andere Wehwehchen sein und muss nichts mit Dicksein zu tun haben. Heute bin ich selbstbewusst genug, dann einfach eine alternative Bewegung für mich einzubinden und erst bei der nächsten Übung wieder in das reguläre Training einzusteigen. Leider trauen sich das viele andere Teilnehmer nicht, sondern warten auf eine Erlaubnis durch den Trainer, die aber nicht kommt.
Würden die Trainer selbst unterschiedliche, körperliche Voraussetzungen mitbringen und nicht alle Mr./Mrs. Supefit sein, würden sie vielleicht eher auf die Voraussetzungen der Teilnehmer eingehen können – einfach, weil sie sie aus eigenem Erleben nachempfinden können.

Ansonsten wünsche ich mir einfach, dass die Übungsabfolgen abwechslungsreich sind – auch für Leute wie mich, die pro Jahr an rund 100 Trainings teilnehmen. Und natürlich sollte auch immer der ganze Körper und nicht nur einzelne Extremitäten angesprochen werden.

Welche Vorteile siehst du für dich gegenüber anderen Sportarten?

Lass‘ es mich mal so ausdrücken: Ich kann mich austoben und muss nicht ans Morgen denken (grinst). Heißt im Klartext: Ich habe am nächsten Tag keine Gelenkbeschwerden und keinen Muskelkater – egal wie fordernd das Training war. Das ist ein riesiges Plus – gerade, wenn die Knochen schon ein paar Tage länger auf Erden wandeln. Dem entsprechend ist auch die Schwitzerei in den Wechseljahren kein Thema. Mal abgesehen davon, dass auch alle anderen Teilnehmer den Raum nicht voll müffeln.
Außerdem hat man weit weniger Klamotten zu tragen: Badeanzug, Handtuch, Schlappen – fertig!

Das heißt also, du bist heute voller Überzeugung „Nicht-Blümchen-Aquafitness-Teilnehmerin“?

Ja – absolut. Das ist nämlich ein super Einsteigersport, bei dem man sich im eigenen Tempo langsam steigern kann, ohne dabei in der Gruppe unterzugehen wie z.B. beim Yoga oder Zumba. Die Übungen sind schließlich auch nicht so beobachtbar, weil es keine Spiegelwand gibt.  Die Zeitspanne, in der ich mich vollständig zeige, ist also deutlich kürzer als in einer normalen Trainingsstunde in Gymnastikhose vor der Spiegelwand. Nur rein ins Becken und wieder raus aus dem Becken.

Dadurch bin ich auch viel weniger mit den vermeintlichen Vorurteilen der anderen und meinen eigenen Unsicherheiten beschäftigt, sondern kann mich mehr auf mich und meinen Körper konzentrieren. Und das pustet den Kopf mal so richtig frei und entspannt.
Außerdem falle ich beim Aquafitness als Neuling auch nicht so schnell auf, weil das Korrigieren ausfällt. Das macht ja aber auch nichts, weil die Verletzungsgefahr im Wasser bei fast 0 liegt.

Vielen Dank für das spannende und humorvolle Interview, liebe Gisela!

Gisela Enders ist Coach, Aktivistin beim Verein gegen Gewichtsdiskriminierung und Autorin des Buches „Wohl in meiner Haut“*. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

 

Autor: Tina Stavemann
Bildnachweis: Kamil Manka / unsplash.com

 

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