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1979 – Swimwear aus Berlin

Kleine, feine Labels, die sich auf Swimwear spezialisieren, findet man in Deutschland selten. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass wir im Schnitt nur vier Sommermonate haben.

Suzanna Kuhlemann hat es trotzdem gewagt und 2010 ihr Swimwear-Label 1979 gegründet. Damals lebte sie für ca. 1,5 Jahre auf Hawaii, um sich nach einigen Berufsjahren als Storemanager bei American Apparel selbstständig zu machen und ihr eigenes Label zu gründen. 2012 ging es dann zurück nach Berlin, wo sie in wechselnden Locations ihr Atelier mit Showroom betreibt.

1979_Atelier Suzanna Kuhlemann

Suzanna, wie bist Du dazu gekommen 1979 zu gründen?

Ich habe seit langem eine besondere Beziehung zu Hawaii, weil ein Teil meiner Familie dort lebt und mich dieser Ort seit meinem ersten Besuch dort, fasziniert hat. Ich entwarf einen ersten Baumwoll-Bikini mit tropischem Hawaii-Print, der für mich den Lifestyle dort verkörperte. Die allererste Inspiration hierfür war die Filmszene von „Verdammt in alle Ewigkeit“, in der Burt Lancaster und Deborah Kerr aus einer Bucht an Land schwimmen und zusammen in den Sand sinken- mit dem ersten Kuß auf Zelluloid. Dann zog es mich an die Quelle der Inspiration und ich wanderte kurz darauf nach Honolulu aus.

Dort begann ich aus ausgesuchten Hawaii-Hemden einzelne Unikat-Bikinis zu nähen. Die Tradition der bedruckten Stoffe dort besteht schon seit den 1950er Jahren und transportiert das Lebensgefühl Hawaiis. Diese ersten Bikinis, in die ich Gummibänder einnähte und auch fütterte, waren sehr beliebt, aber extrem aufwändig zu nähen auf die Dauer.

2012 zog ich zurück nach Berlin und es gab einen Punkt, an dem ich ernsthaft überlegen mußte, ob ich in Deutschland mit der Bademode weitermache.

Ich entschied mich dafür, weil mir der Bereich sehr ans Herz gewachsen war, nachdem ich mich soviel mit Badestoffen, Stretchfaktoren, Schnittkonstruktion für Elastisches und allen swimwear-spezifischen Faktoren auseinandergesetzt hatte.

Der Stil von 1979 ist zeitlos, schlicht, ladylike und etwas verhüllender. Weniger zu zeigen ist oft mehr. Deshalb beschreibe ich meine Linie am liebsten mit „ elegantem Understatement“. Hohe Taillenbikinis und tief geschnittene Beine sind einige Kernelemente der Kollektion. Der Charme von Vintage wird in Details sichtbar, noch wichtiger ist der zeitlose Look, das Übertragen in eine moderne, hochwertig verarbeitete Form.

1979_Modell Teodora_120dpi_2

 

 Wie entwickelst Du heute deine Kollektionen?

Ich arbeite unabhängig von der Industrie oder Trends. Die Basiskollektion umfasst mehrere Modelle, die jedes Jahr überarbeitet und weiterentwickelt werden, teilweise kommen Varianten oder Zusatzfunktionen dazu.
Pro Jahr entwickle ich nur ein paar neue Modelle und die Kollektion wächst langsam. Alle Klassiker werden immer wieder aufgelegt und in wiederkehrenden Standard- sowie neuen Jahresfarben gefertigt. Diese Farben wähle ich nach Gefühl aus und verwende hierfür nur die besten Qualitäten an zertifizierten Stoffen aus der EU.

Sehr viel Feintuning steckt in jedem Schnitt, denn am Ende jeder Saison veränderte ich beispielsweise Details in der Schnittführung um die Passform noch weiter zu verbessern. Für das Modell „Catherine “, welches viele Teilungsnähte hat, sind immerhin mehr als 20 einzelne Teile nötig.

1979_Atelier Suzanna Kuhlemann_Schnitte

Mein Atelier ist mir wegen der direkten Nähe zu meinen Kundinnen wichtig. Wenn Zeit vorhanden ist, mache ich auch mal eine Spezialanfertigung oder Anpassung. Die Paßform direkt zu sehen ist für meine Arbeit sehr wertvoll, beispielsweise ist die Torsolänge bei der Mehrheit der Frauen in den letzten zwei Jahren tendenziell länger geworden. Solche Details sind wichtig für meine Modellentwicklung. Beispielsweise ist nun eine Überlegung, zwei verschiedene Torsolängen anzubieten.

1979_Ausschnitt Hose

Ich mag es, wenn Teile vielseitig nutzbar sind und so versuche ich Varianten möglich zu machen, wo es geht – so daß man z.B Träger auf dem Rücken kreuzen kann, Badeschalen bei den Bikinitops einfügen kann, Schleifchen zusätzlich anbringen oder weglassen kann.

Alle Modelle sind in den Größen 34 -44 erhältlich.

 

Und wie geht der Weg von Deinem Tisch dann weiter?

Die Kollektion wird in sehr kleiner Auflage in einem Familienbetrieb in Chemnitz/Sachsen gefertigt. Es hat lange gedauert einen Betrieb zu finden, der so kleine Mengen produziert und ich bin sehr froh über diese Zusammenarbeit. Besuche dort zählen zu meinen schönsten Momenten. Es ist wie Weihnachten, wenn dort auf die schnelle ein neues Musterteil vor meinen Augen genäht wird und ich den Weg von der Idee bis zum fertigen Teil live beobachten kann.

Transparenz, Nachhaltigkeit und Verantwortung sind mir bei den Materialien und der Herstellung enorm wichtig. Kleine Auflagen liegen teilweise bei Spezialfarben bei nur 12 oder 24 Stück. Somit ist jedes Teil wirklich etwas Besonderes und sehr exklusiv. Die textilbezogenen Knöpfchen, welche in der Industrie nicht mehr angenäht werden, nähe ich eigenhändig im Wechsel mit einer Schneiderin an.

 

Ich kann mir Deine Modelle ganz wunderbar am Strand und zum Baden vorstellen, aber kann man damit auch sportlich schwimmen?

(lacht) Ja klar! Es gibt ein Modell (Greta) welches sich hierfür aufgrund der Träger gut eignet. Für Sportschwimmerinnen allerdings, die 2-3x pro Woche im Chlorwasser schwimmen gehen, empfehle ich jedoch einen 100% Polyester-Badeanzug, da sich Elastan bei intensivem Kontakt mit Chlor irgendwann beginnt aufzulösen. Meine Modelle sind jedoch bestens für den Normalgebrauch geeignet: Salzwasser, Chlor und Sonne vertragen sie – natürlich mehrmals im Jahr – mit einer Haltbarkeit von mindestens 5 Jahren.

1979_Modell Greta_120dpi

Die richtige Pflege ist jedoch wichtig. Man sollte den Badeanzug abends nach dem Strand oder Pool immer per Hand auswaschen und dann trocknen lassen. Vielleicht entwerfe ich in der Zukunft noch ein funktionales Sportmodell, aber da diese Nische bereits gut bedient zu sein scheint, bleibe ich vom Stil her erstmal in meinem Bereich.

Vielen Dank liebe Suzanna!

Mehr Informationen findet ihr auf http://www.1-9-7-9.com/

 

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Autor: Tina Stavemann
Bildnachweise
Bilder 1, 3 und 6 | Model: Momoko | Fotograf: Stormy Solis | Urheberrecht: Stormy Solis & 1979
Bild 5 | Model: Maja | Fotograf: Lucio Aru & Franco Erre | Urheberrecht: Lucio Aru & Franco Erre / 1979
Bilder 2 & 4 | Model: Suzanna Kuhlemann | Fotograf: Suzanna Kuhlemann | Urheberrecht: 1979

 

 

 

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