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Le Néné: Moderne Bademoden für Frauen mit Brustkrebs

Wenn es um die Perlen in der Bademoden- und Dessous-Branche geht, kommt man an der Lingerie-Expertin und Psychologin Anja Wermann nicht vorbei. Eine dieser „Branchen-Perlen“ hat Anja exklusiv für Aquamondo interviewt: Jana Wagner, Besitzerin der Boutique Le Néné in Stuttgart,  hat sich darauf spezialisiert, mit ihrem Angebot an Dessous und Bademoden, an Brustkrebs erkrankten Frauen ein Stück Lebensqualität zurück zu geben.

©melaniemaerz

Liebe Jana, vielen Dank für deine Zeit! Erzähl doch bitte, wie du überhaupt dazu gekommen bist, Le Néné zu eröffnen?

Vielen lieben Dank für die Interviewfragen und das Interesse am Le Néné bzw. der Thematik der Prothesenbademode!

Mein Weg zur Selbstständigkeit führte vor einigen Jahren über die Brustkrebserkrankung meiner Mutter. Das Angebot hielt sich bei Dessous und Bademode in Grenzen und das setzte meiner Mutter sehr zu. Das Gefühl, die eigene Weiblichkeit wieder finden/entdecken zu wollen, aber dabei vom Angebot der umliegenden Sanitätshäuser „ausgebremst“ zu werden, weil es einfach nichts gab, was auch nur im Entferntesten an das herankam, was sie vor der Diagnose und OP getragen hatte, ließ ihren Stolz regelmäßig in die Knie gehen. Zwischen Rollator und Stützstrumpf fehlt nach der Brustkrebsdiagnose einfach oft das Ambiente, um sich in angenehmer Atmosphäre zu Dessous beraten zu lassen, und das wollte ich ändern. Daher habe ich 2014 eine kleine französische Boutique in Stuttgart eröffnet, wo wir auf 50 qm Dessous, Bademode und natürlich Prothesen aus der ganzen Welt und von verschiedensten Herstellern anbieten und auch umschneidern lassen. Dabei rechnen wir selbstverständlich mit allen Krankenkassen ab.

Doch damit es nicht zu Missverständnissen kommt, möchte ich noch einmal explizit betonen, dass es in Deutschland sehr gute Sanitätshäuser gibt, die mit Hingabe, schönem Angebot und Fachkompetenz, in angenehmem Ambiente beraten. Und eben solche, wo einfach noch ein bisschen Luft nach oben hin offen ist.

©Jana Wagner, Le Néné

©Jana Wagner, Le Néné

Wie groß ist die Nachfrage nach epithesengeeigneter Bademode?

Oh, sehr groß! Den Kundinnen steht gesetzlich alle 2-3 Jahre ein Zuschuss zu Bademode zu. Da es in Deutschland momentan 169 gesetzliche Kassen gibt, variiert der Zuschuss und auch das Zeitfenster immer ein wenig von Kasse zu Kasse. Daher lohnt es sich auf jeden Fall, einfach einmal bei der eigenen Kasse anzurufen und nachzufragen.

Der Wunsch nach Bademode bzw. Bademodemodellen ist dabei natürlich sehr individuell. Von der Kundin die wirklich nur in der Kur badet bzw. „zwei Mal im Jahr bis zum Knie im Wasser steht“, bis zu den Damen, welche 5x die Woche eine Stunde lang ihre Bahnen ziehen, ist alles an Bedürfnissen vertreten. So sollte man bei der Auswahl natürlich auch jeweils auf die Wassergewohnheiten eingehen! Eine Kundin, welche ab und zu in den Pool möchte, sucht natürlich nach einem ganz anderen Modell als die, welche am liebsten per Arschbombe vom 10er springt.

Bei letzterem Wunsch raten wir dann vielleicht nicht unbedingt zum filigransten Bikini aus unserem Sortiment J !

©Jana Wagner, Le Néné

©Jana Wagner, Le Néné

Was sind deine Erfahrungen mit dem Angebot der Hersteller? Was gefällt dir? Wo siehst du Verbesserungsbedarf?

Ach ja, das Warenangebot ist manchmal ein leidiges Thema! Es hat sich zugegebenermaßen seeeehr viel in der Prothetik-Branche getan und dennoch gibt es manchmal Kollektionen, wo uns ein bisschen die Gesichtszüge entgleisen und wir uns fragen, wer das jeweilige Modell für den Markt freigegeben hat!

Man muss einfach immer bedenken, dass man bei einer Bademode wirklich nur DIESES KLEIDUNGSSTÜCK ANHAT und sich dementsprechend wohlfühlen muss. Daher ist es wichtig, dass der Badeanzug/ Bikini oder Tankini nicht aus 400 Metern Entfernung ORTHOPÄDIEFACHGESCHÄFT ruft oder (O-Ton vieler Kundinnen) nach dem Badeanzug der Urgroßmutter aussieht. Anders als beim BH, der manchmal vielleicht keinen Designpreis gewinnt, aber für eine bestimmte Phase in der Therapie unabdingbar ist und es möglich macht, sich mehrere Stunden schmerzfrei zu bewegen.

Um die Auswahl zu vergrößern lassen wir deshalb viele Modelle/Firmen, welche die Voraussetzungen für Prothesenbademode erfüllen, von unserer Schneiderin mit Taschen versehen.

Was ich immer ein wenig schade finde, ist das relativ starre System beim Vorbestellen der Bademoden. Wir können meist nur einmal pro Jahr ordern, dies wird dann im Februar/März ausgeliefert und mit diesem Kontingent muss man dann ein Jahr lang „haushalten“. Naturgemäß wird das Warenangebot dann von Monat zu Monat überschaubarer und Kundinnen welche im Dezember zur Kur/in den Urlaub wollen, haben dann eben nicht mehr die ganze Bandbreite zur Verfügung.

©Jana Wagner, Le Néné

©Jana Wagner, Le Néné

Für Aquafitness dürfen die Träger nicht von den Schultern rutschen, im Rücken überkreuzt ist ideal, und die Epithesen müssen sicheren Halt haben. Gibt es prothesengeeignete Badeanzug- oder Bikinimodelle, die du dafür empfehlen würdest?

In der Regel ist es so, dass prothesengeeignete Bademode von Haus aus im Dekolletébereich sehr bedeckend und hoch geschnitten ist, damit die Prothese sicher sitzt. Ich denke also, dass beispielsweise viele Badeanzüge von Anita care und Amoena für Aquafitness eine gute Wahl sein könnten.

Für 99 Prozent meiner Kundinnen ist das jedoch kein Kriterium, denn Bademode für Aquafitness entspricht zumindest im Le Néné einem untergeordneten Kundinnenwunsch. Der Hauptwunsch ist eher ein Urlaubsbikini oder etwas, um „30 Minuten Bahnen zu ziehen und dann im Whirlpool zu relaxen“ bzw. einfach ein Modell zum Sonnen. Von daher haben wir momentan zum Beispiel kein Modell mit überkreuzten Trägern im Sortiment, sondern nur Bademode welche fürs Schwimmen dann einen Hauch höher geschneidert ist.

Aber wie gesagt, vom minimalistischen filigranen Bikini, der die Prothese dennoch phantastisch bedeckt, bis zum höher sitzenden Badeanzug haben wir erstmal per se alles im Sortiment.

Sollte es mal einen Wunsch geben, den wir auf 50 qm nicht gleich umsetzen können, empfinden wir es als Grundpfeiler des Kundenservices, Dinge möglich machen zu wollen, zu bestellen und so nah wie möglich an die Vorstellung der Kundin heranzukommen.

Herzlichen Dank für das Interview, Jana!

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Autor: Anja Wermann

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Wenn ich nicht hier bin... | Everyday Boudoir

  2. Hey,
    super Artikel und toll, dass es Firmen gibt, die ihr Sortiment darauf ausrichten, Frauen mit Brustkrebs eine höhere Lebensqualität zu schenken. Eine sehr tolle Idee!
    Ganz liebe Grüße,
    Susi

    Antworten

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