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„Im Wasser zu tanzen, ist Ausdruck meiner Gefühlswelt.“

Frau hält eine andere Frau im Wasser im Arm und bewegt sie

Im Oktober habe ich dich an meiner ersten Aguahara-Session teilhaben lassen. Danach war ich neugierig, was sich noch hinter dieser Entspannungsform im Wasser verbirgt. Also habe ich alle Strippen in Bewegung gesetzt, um ein Interview mit Alexander Siebenstern, dem Begründer von Aguahara, zu führen. Für Aquamondo hat er mir Einsicht in seine Aguahara-Philosophie gewährt.

Alexander, wie bist du zu Aguahara gekommen?

Eigentlich würde ich eher sagen, Aguahara ist zu mir gekommen (lacht).
Ich bin in den letzten Jahren viel gereist – unter anderem in Mittelamerika. In der Karibik lernte ich einen Mann kennen, der mir eine Entspannungs-Session im Wasser geben wollte. Für mich war danach schnell klar „Dieses Erlebnis wird mein Leben verändern!“. Ich ließ mich von Sol ausbilden und reiste wenig später weiter nach Kalifornien. Dort lernte ich weitere aquatische Techniken – u.a. Wasser-Shiatsu – kennen. Von Kalifornien ging es dann wieder zurück in die Karibik, um mein Wissen praktisch anzuwenden. Ich bot jeden Tag ca. drei Sessions im Wasser an. Ich wollte so viele Erfahrungen wie möglich sammeln. Das war eine sehr intensive Zeit – körperlich, da der Körper dem Meerwasser über Stunden ausgesetzt ist, aber auch emotional, weil man sich permanent auf die Begebenheiten der Teilnehmer einstellt.

Nach und nach brachte ich immer mehr eigene Elemente, vor allem aus dem Tanz, dem ich mich sehr verbunden fühle, in die Arbeit im Wasser ein. Stück für Stück wurde daraus Aguahara. Und die Reise ist noch nicht zu Ende. Ich sehe mich und die von mir ausgebildeten Aguahara-Praktiker als Pioniere, die die Möglichkeiten von Aguahara ständig weiter entwickeln.

Hinweis: Video auf Englisch inkl. deutschen Untertiteln.

Was ist das Besondere an Aguahara?

Allen voran die Freiheit im Tun. Anders als bei anderen Entspannungsformen im Wasser, folgt Aguahara keiner Choreographie, keinem definiertem Ablauf oder klaren Rahmenbedingungen. Deshalb ist auch keine Session wie die andere. Das Erlebnis ist nicht reproduzierbar. Der Aguahara-Praktiker, den wir intern eher als „Gebenden“ bezeichnen, stellt sich auf den „Nehmenden“ und seine Bedürfnisse ein. Die Session entsteht durch das Zusammenspiel Beider; die Grenzen zwischen Gebendem und Nehmendem sind fließend. Das kann man schwer theoretisch begreifen, sondern nur am eigenen Körper erfahren.

Aguahara-Praktiker sind bzw. verstehen sich auch nicht als (Psycho-)Therapeuten oder Ratgeber. Ihr Anspruch ist es, dem Nehmenden einen vorurteilsfreien Raum zu geben, in dem alles ausgedrückt werden darf, was ausgedrückt werden will. Für viele Menschen ist das ein Geschenk, das sie in ihrem Leben vielleicht noch nie erfahren haben.

Außerdem wird Aguahara in der Regel in natürlichen Gewässern durchgeführt – idealerweise an wärmeren Orten in Meeren, Seen oder Flüssen. Natürlich sind auch Sessions in warmen Pools oder Thermen möglich – in Deutschland hätte man es sonst auch schwer (lacht) – aber das Naturerlebnis bleibt dann leider auf der Strecke. Aus diesem Grund arbeite ich in der Regel in Spanien, Mexiko oder Argentinien.

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Wie geht ihr Aguaharistas mit diesem vorurteilsfreien Raum um?

Na ja…einigen Menschen macht eine Session möglich, sich wirklich mal fallen zu lassen und völlig zu entspannen. Schließlich ist der Stress-Level gerade in der westlichen Welt ziemlich hoch.

Bei anderen öffnet das Erlebnis im Wasser – gerade dieses Getragen sein, wie vielleicht zuletzt in den Armen der Mutter – emotionale Schleusen. Dadurch hören wir Aguaharistas häufig Geschichten, die die Nehmenden oft nicht einmal engen Vertrauten oder dem Partner mitgeteilt haben. Sofern nötig oder gewünscht, vermitteln wir diese Menschen dann auch in kompetente, therapeutische Hände weiter.

wie-von-der-mutter-getragen-werden

Du hast gesagt, dass du Aguahara ständig weiterentwickelst. Wie sieht deine Arbeit in Spanien oder Mittelamerika aus?

Ein bisschen anders, als das was du als Aguahara erlebt hast (grinst). Ich gebe heute kaum noch Einzel-Sessions, sondern arbeite mit Gruppen. Das liegt mir mehr und ich genieße den Austausch untereinander. Mir ist unsere Welt manchmal zu individualistisch. Der Zusammenhalt untereinander ist verloren gegangen. Mit meiner Arbeit möchte ich dazu beitragen, Menschen sich selbst und einander wieder näher zu bringen. Dafür ist der Tanz für mich das natürlichste Element. Er ist die reinste Ausdrucksform der Gefühlswelt – insbesondere im Wasser. Im Klartext heißt das: Ich bringen Menschen das Tanzen im Wasser bei.

Ich arbeite z.B. gern mit Senioren-Gruppen. Denn gerade im Alter fehlen vielen Menschen soziale Kontakte. Hinzu kommt, dass ihnen im Wasser eine Mobilität möglich ist, die sie an Land nicht mehr haben oder noch nie hatten. Es ist schön zu sehen, wie manch einer dadurch wieder aufblüht. Allein, weil er/sie wieder frei in ihren Bewegungen ist. Denn am Ende des Tages, will Aguahara nur eines: Freiheit schenken.

Autor: Tina Stavemann
Bildnachweise: Agustin Abelenda

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