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Mit dem Trainer steht und fällt der Spaß (ins Wasser)

Ich habe eigentlich wenig mit Sport am Hut. Als meine Osteopathin mir Powerplate empfahl, fand ich mich dann doch im Fitnessstudio wieder und schloss tatsächlich einen Vertrag bei einer neuen Kette ab. Bis mein Fitnessstudio neben meinem Büro eröffnete, durfte ich eine schickere Filiale in einem anderen Bezirk nutzen und grub tatsächlich meinen Badeanzug für eine Aquafitness-Stunde aus. Natürlich „nur zum Ausprobieren und Überbrücken“…

Samstags

Ich war an diesem Tag nicht nur die Jüngste, sondern fühlte mich zudem sonderbar. Erstens hatte ich gefühlt Millionen Jahre keinen Sport gemacht. Zweitens ist der Badeanzug nicht gerade mein Lieblingsoutfit.

Ich sage mir, dass man mich im Wasser nicht komplett sieht und ich vor allem nicht schwitze.
Wir joggen los und kreieren ordentlich Strömung, dann Stop, umdrehen und zurück in die andere Richtung, gegen die Strömung. Von der Trainerin bin ich überrascht, ich schätze sie auf Mitte 40, kurzer Militärhaarschnitt, normale Figur, Typ „hart aber herzlich“. Sie kündigt ein Zirkeltraining an und verteilt Poolnudeln und -disks. Wir machen jede Übung dreimal, immer zwei Übungen im Wechsel. 45 Minuten lang.
Ich schwitze.

Am Ende drücken wir uns 30 Sekunden lang am Poolrand hoch und lehnen uns mit dem Rücken an, strampeln mit den Beinen so stark im Wasser bis es an die Decke spritzt.
Ich habe einen hochroten Kopf, schwitze und als ich aus dem Wasser steige, überrascht mich die Schwerkraft. Ich habe das Gefühl ich kann kaum laufen, wenn mich das Wasser nicht mehr trägt.
Aber, ich hatte Spaß. Ich habe das Gefühl ‚etwas getan zu haben‘ und fühle mich ausgepowert.
Da ich mittwochs frei habe denke ich mir, ich komme einfach wieder.

Mittwochs, Kurs 1

Es gibt sogar zwei verschiedene Kurse bei zwei verschiedenen Trainern. Ich entscheide mich für den Ersten, damit ich nicht so spät nach Hause komme. Mein Sofa vermisst mich sonst.
Guter Dinge und voll motiviert, springe ich ins Wasser. Diesmal Aquafitness ohne „Toys“, also keine Nudeln und Disks, dafür aber auch andere junge Teilnehmer in meinem Alter.
Die Trainerin ist diesmal jünger als ich, wirkt sehr zurückhaltend und ich möchte sagen fast ein bisschen unmotiviert.
Wir hüpfen auf der Stelle zum Aufwärmen. Dann beginnen wir mit seitlichen Sprüngen. Hast Du schon mal versucht seitlich im Wasser zu springen? Eben!
Die Trainerin macht die Übungen viel zu schnell vor, sie berücksichtig nicht, dass wir im Wasser viel langsamer sind. Ehe ich einmal richtig nachmachen konnte, was sie vormacht, sind wir bei der nächsten Übung. Und das Springen auf der Stelle macht mir einfach keinen Spaß. Als ich aus dem Wasser komme, ist mir kalt. Ich beschließe nächsten Mittwoch den späteren Kurs auszuprobieren.

Mittwochs, Kurs 2

Eine junge Trainerin erscheint, sie wirkt sehr motiviert und herzlich. Sie wirft laute Technomusik an, singt teilweise mit. Das erinnert mich an Aerobic. Sie macht die Übungen Extremität für Extremität vor, so dass ich direkt einsteigen kann und in der Übung bin. Dann schreit sie ‚Ready? Go!‘ und wir powern durch. Sie zählt für uns runter, tanzt mit der Musik und ich habe einfach nur Spaß. Die Technomusik treibt mich noch mehr an. Wir schweben im Wasser und ziehen die Beine an, um den Bauch zu trainieren. Ich merke wie es zieht, aber hey, ich schwebe! Ich überlege, ob ich mit ihr sogar ein Personal Training machen könnte, denn ich habe das Gefühl, dass ihr unsere Fitness am Herzen liegt.

Donnerstags

Ich probiere ein anderes Fitnessstudio meiner Kette aus, das auch einen Pool hat. Auf dem Plan steht ‚Aqua Zumba‘ und ich bin sehr gespannt.
Im Wasser zu tanzen ist fast unmöglich. Die Übungen, die die Trainerin vormacht sind ebenfalls wieder viel zu schnell, um sie im Wasser 1:1 nachmachen zu können. Trotzdem macht mir die Musik Spaß und als wir mit allen Frauen Sirtaki im Wasser tanzen, fühle ich mich wie bei einem ‚alten Stammesritual‘ und spüre die ‚weibliche Energie‘ in unserem Kreis…
Leider nichts für meine Fitness, eher für den Spaß. Der Nächste bitte…

Sonntags

Da ich samstags auch mal etwas Anderes machen möchte als Sport, weiche ich auf den Sonntag aus. Mein mir mittlerweile vertrautes Fitnessstudio bietet auch hier wieder zwei verschiedene Kurse an.
Die Trainerin wirkt durchtrainiert und vielversprechend. Das wäre sie auch gewesen, wären wir in einem Zumba-Kurs. Die Musik verrät, dass sie gerne tanzt, anscheinend auch am liebsten Zumba. Wieder gibt es keine Nudeln und Disks. Sie baut so viele Choreographien ein, dass ich selbst ohne Wasser sehr viel Konzentration bräuchte, um mitzukommen. Und ich kann gut tanzen!
Ich verliere die Lust. Ich probiere wieder mehr rum, als dass ich tatsächlich trainiere. Viele kommen nicht mit, was die Trainerin entweder nicht merkt oder nicht stört, sie tanzt fröhlich weiter und hat Spaß. Mich nervt das ehrlich gesagt ein wenig, denn ich bin weder zum Tanzen hier, noch zum Spaß der Trainerin. Auch wenn ich glaube, dass ihr Zumba-Kurs super sein muss.

Samstags

Ich habe mich entschieden, dass der Samstag der beste Tag und Kurs für mich ist. Unsere Trainerin fällt dann leider ein paar Wochen krank aus. Meine schönste Erinnerung an diese Zeit ist ein ziemlich verrückter Vertretungstrainer. Er sieht aus wie ein Tänzer, sehr zäh und drahtig und läuft die ganze Zeit laut schreiend die Länge des Pools ab, nur in Shorts (eine Mitschwimmerin meint zu mir, dass er gerne am Ende der Stunde in den Pool springt). Alles auf Englisch und ich frage mich, ob es sich so vielleicht bei der Bundeswehr anfühlt (bis auf das Englisch). Unterstrichen wird das Ganze von Hardcore-Techno und vielen akrobatischen Einlagen seinerseits. Ich habe viel Spaß.
Nach ca 30 Minuten wiederholen sich einige Übungen und ich frage mich, ob er das nur vergessen hat oder tatsächlich nicht mehr Übungen kennt. Ich bin ausgepowert und wund gelacht. (Der Trainer springt diesmal nicht in den Pool).

Ich stelle dann doch fest, dass mir das gediegene „hart aber herzlich“-Zirkeltraining am liebsten ist. Und dass Aquafitness ein sehr breit verwendeter Begriff sein muss…

Und noch etwas Anderes: Ich dachte ja immer, dass ich mich im Fitnessstudio wegen meiner Figur schäme, die alles andere als sportlich ist. Jedoch hat mir gerade das Fitnessstudio gezeigt, dass dem überhaupt nicht so ist. Dass Körper eben doch sehr individuell sind und dass gerade diese Individualität uns so schön macht. Öfter mal mit anderen Menschen duschen, rückt die Realität eben doch wieder gerade! Ein Hoch auf die Vielfalt bei Teilnehmern und Trainern!

Autor: Alexandra Kossowski von www.ichbindasbesteich.com
Bildnachweis: Dan Watson / unsplash.com

 

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