Im Zuge meiner Arbeit werde ich von Kunden, Kooperationspartnern etc. mit diversen Begrifflichkeiten konfrontiert, die meinen körperpositiven Ansatz hinterfragen oder genauer verstehen möchten. Damit gehen auch bestimmte Vorlieben und Abneigungen für einige Wörter einher.

Ich möchte diesen Urwald lichten. So weißt du, wie ich zu den Dingen stehe und kannst auf dieser Basis besser entscheiden, ob ich für dein Anliegen ein geeigneter Ansprechpartner bin.

 

Fit, gesund, schlank, dick, fett, übergewichtig: Du entscheidest, was du denkst und glaubst!

 

Fit, gesund, schlank, dick, fett, übergewichtig: Grundsätzlich und im reinen Wortsinne enthält keiner der Begriffe eine Einteilung in gut oder schlecht. Aus meiner Sicht sollten wir uns das mal auf der Zunge zergehen lassen! Wir selbst haben die Wörter mit einer Wertung versehen oder die Wertung anderer als glaubwürdig akzeptiert. Aber das Gute ist: Wir können uns entschließen, unseren alten Gedanken nicht mehr zu glauben und die Wörter zu hinterfragen😊

 

Fit & Gesund

Wir wissen, dass wir nichts wissen. Denn obwohl „Fitness“ und „Gesundheit“ gerade in den letzten Jahren inflationär benutzte Begriffe sind, gibt es für keinen eine 100% eindeutige Definition.

Gesundheitswissenschaftler, Sozialmediziner, Gesundheitssoziologen, Sportwissenschaftler, Bewegungstherapeuten etc. verknüpfen die Begriffe jeweils mit dem Fachbereich, der in ihrem Forschungsgebiet Relevanz hat. Das ist sinnvoll und nützlich, um alle Aspekte zu beleuchten.
Zeigt aber auch, dass es keine einfache Lösung gibt, wie uns alle Welt vorgaukeln möchte.

Deshalb halte ich mich an die gängige WHO-Definition: „Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ Da Wohlergehen nicht messbar oder mit einem ICD-Schlüssel belegbar ist, kann es sich hier nur um ein subjektives Empfinden handeln.

Auch der Begriff „Fitness“ wird im Allgemeinen als geistiges und körperliches Wohlergehen verstanden. Die Fitness drückt aus, wie leistungsfähig und belastbar du im Alltag bist. Auch hier handelt es sich um ein subjektives Empfinden, das natürlich immer von deinen persönlichen Lebensumständen abhängig ist.

Ich möchte dich zu zwei Denkbeispielen anregen: Bei einer Generaluntersuchung wird bei einem Menschen diagnostiziert, dass er unter einer Arthrose im Hüftgelenk leidet, die ihm eigentlich große Schmerzen bereiten müsste. Tut sie aber nicht. Der Mensch fühlt sich gut, hat keinerlei Einschränkungen. Solche Fälle gibt es. Aber ist der Mensch nun gesund oder krank?

Ich möchte mit diesem Gedankenkonstrukt nur zeigen: Du definierst für dich selbst, ob du dich gesund und fit oder krank fühlst. Niemand sonst. Auch dein Arzt oder Trainer kann dir nur eine Idee dessen geben. Entscheiden musst du selbst, denn nur du steckst in deinem Körper. Und deshalb kannst auch nur du sagen, wie sich dein Körper und deine Seele fühlen und was ihnen guttut.

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Fit & schlank

Fitness und Schlankheit sind Begriffe, die in Relation zueinander stehen können, aber nicht müssen. Für eine Hochleistungs-Kunstturnerin ist ein (leider oftmals krankhaft) niedriges Gewicht ein wichtiger Faktor für ihre sportliche Karriere. Ein Football-Spieler, der in der NFL auf der Position des Verteidigers spielt und 3kg mehr als sein Kollege auf die Waage bringt, kann sich über + 45.000 Dollar Jahresgehalt freuen. Der BMI dieses Topathleten wird sicher den für seine Größe „erlaubten“ Wert sprengen. Ist dieser Mann unsportlich? Mitnichten!

Die körperlichen Idealbedingungen sind im Hochleistungssport so divers wie schwer zu erreichen, wie dieser Artikel aus dem Schweizer Tagesanzeiger eindrucksvoll dokumentiert. Oftmals sind die körperlichen Voraussetzungen auch einfach ein genetischer Glücksfall und nicht antrainierbar. Zum Beispiel hätte Michael Phelps, der mehrmalige Olympia-Sieger im Schwimmen, ohne seinen sehr langen Oberkörper sicher weniger Medaillen nach Hause getragen.

Und dennoch ziehen Otto-Normal-Verbraucher diese Körper als Maßstab für ihren eigenen heran. Das ist einfach nur irrwitzig! Leistungssportler und Fitnessmodels leben in der Regel für den Sport. Sie haben keine berufliche +40h-Woche, Pendlerwege, pflegebedürftige Kinder oder Eltern und auch wenig Privatleben. Sie trainieren 6 – 10h täglich. Die restliche Zeit des Tages geht für Schlaf,  Ernährung und Physiotherapie drauf.

Ich denke, wir können uns alle mal entspannen und uns einfach bewegen, wie es uns guttut. Unabhängig vom Gewicht. Denn das entspannt vor allem unsere Seele und macht sie ganz im Sinne der Definition fitter.

Dick, fett & übergewichtig

Jetzt bin ich bei den „schlimmen“ Wörtern angelangt. Allerdings haben sie heute für mich keine Sprengkraft mehr. Hier wird es persönlich, denn mit diesen Wörtern muss jeder individuell seinen Frieden schließen (oder auch nicht).

Ich persönlich bezeichne mich als dick. Die einstige Wertung „dick = schlecht“ habe ich aus meinem Kopf eliminiert. Dick ist nicht besser oder schlechter als dünn, groß oder klein. Es beschreibt für mich einfach eine Form.

Mit dem Wort „fett“ werde ich persönlich nicht warm. Auch, wenn mir bewusst ist, dass es gerade in den USA stärker vertreten und auch politisch aufgeladen ist – z.B. in der Fat-Acceptance-Bewegung. Mich als fett zu bezeichnen, hieße für mich, dass mein Körper zu 90% aus Fett besteht. Das ist nicht der Fall! Wie bei jedem Menschen, besteht auch mein Körper zum größten Teil aus Wasser. Wenn überhaupt, wäre ich in meinem Verständnis „wässrig“, was ich ehrlich gesagt als Kompliment verstehe. Schließlich geht’s auf diesem Portal um Wasser! Please call me „wässrig“😉

Übergewichtig ist auch so ein Begriff, der für mich nicht passt. Denn wer sagt mir, was mein persönliches, genetisch bedingtes Normalgewicht wäre? Diese Frage wird mir niemals jemand beantworten können, denn durch meine gefühlten 1.000 Diäten hat mein Körper keine Ahnung mehr, was mein genetischer Set-Point wäre. Statistische Werte wie der BMI bringen mich da auch nicht weiter. Denn vielleicht ist meine Leber 100g schwerer als die einer anderen Frau oder ich habe ein kleines Herz oder was weiß ich. Wenn diese Werte wirkliche Allgemeingültigkeit hätten, bräuchte man auch keine Obduktionen mehr. Da muss man keine Niere mehr wiegen. Da weiß der Pathologe „Mann, 1,80m, 75kg = 200g Niere“.

Und vielleicht wird mein Körper niemals wieder an den Punkt kommen, intuitiv zu wissen, was sein genetisches Normalgewicht wäre und dem entsprechend Kilos abzuwerfen. Heute ist das ok für mich. Alles, was ich heute tun kann, ist meinen Körper liebevoll und pfleglich zu behandeln. Und das solltest du auch!

Hinterlasse mir gern deine persönlichen Gedanken zu den Begriffen in den Kommentaren. Anregungen sind immer gut!

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