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Bademode vom Maßschneider – Das gönn´ ich mir!

Kris Atomic / unsplash.com

Es gibt viele Gründe, warum sich Kundinnen bei Claudia Specht von Tüll & Spitze aus Wiesbaden einen Badeanzug oder Bikini nähen lassen: Manchmal reproduziert sie ein liebgewonnenes Kleidungsstück für die Trägerin, das so nicht mehr im Handel zu haben ist. Oder die Kundin hat ganz spezielle Schnittvorstellungen, die sie in ihrer Umgebung nicht in einer passenden Größe umgesetzt findet. Manche Frauen möchten sich auch einfach mal etwas ganz Besonderes gönnen und bestellen zu den erlesenen Dessous gleich den passenden Bikini dazu.

Für Aquamondo hat mir Frau Specht einen Einblick in ihr „Nähkästchen“ gewährt und meine Fragen beantwortet.

Frau Specht, wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, Bademode auf Maß zu schneidern?

Eigentlich war das ein totaler Zufall, da ich nach meinem Studium Modedesign dachte „Mensch, du hast jetzt so ziemlich alles genäht – von Damen-Oberbekleidung, über Faschingskostüme – was gibt es denn sonst noch?“.

Auf einer Kreativmesse bekam ich einen Flyer der Dessous-Akademie in Ginsheim in die Hände, der erst einmal eine Weile im Regal lag, bis ich wieder auf ihn aufmerksam wurde und dachte „Genau – näh‘ doch einfach mal etwas für darunter anstatt für darüber“.

Nach einem Power-Weekend in der Dessous-Akademie war ich so begeistert von der Thematik und dem Arbeiten mit elastischen Stoffen und Spitzen, daß ich mich näher mit dem Thema beschäftigen wollte. Ich habe ergänzend zum Power-Weekend einen Schnittkonstruktionskurs belegt und daran anknüpfend das zweijährige Studium zur Dessous-Designerin und -Maßschneiderin absolviert.

Bereits während des Studiums war schnell für mich klar, daß ich mich auf die Dessous-Schneiderei fokussieren werde, da ich damit eine echte Nische bedienen kann. Das Nähen von DOB mache ich jetzt nur noch für mich privat.

Wie lange dauert es denn vom ersten Gespräch bis zu meinem maßgeschneiderten Badeanzug oder Bikini?

Da ich jedes Kleidungsstück wirklich millimetergenau auf den Leib der Kundin schneidere, benötige ich für die Beratung und das Maßnehmen ca. 1 – 2 Stunden, je nach Modellwunsch. Gerade bei Bademode, bei der ich auch das Cupteil exakt anpasse, damit die Brust gut gehalten wird, ist es enorm wichtig, 100 %ig zu arbeiten. Denn neben der Paßform muss auch die Elastizität des gewählten Stoffes mitberücksichtigt werden.

Dann erfolgt die Schnittkonstruktion und das Fertigen des Probemodells. Je nach Modell sind das dann schon mal 20 – 40 Einzelteile, die zusammengenäht gut sitzen sollen. Bei der Anprobe bespreche ich mit der Kundin die Passform des Modells und ich nehme – sofern nötig – Anpassungen am Probemodell vor, die dann anschließend auf den Schnitt übertragen werden. Danach wird das Wunschmodell aus den von der Kundin ausgesuchten Materialien gefertigt.
Je nach Auftragsvolumen beträgt die Fertigung der Dessous oder Bademoden nach Maß ca. 4 bis 6 Wochen.

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Nehmen wir mal an, Sie würden mir einen Sportbadeanzug maßschneidern. Wie viel würde mich das kosten?

Beim Erstauftrag benötige ich durch die Beratung, das Maßnehmen und die Schnittkonstruktion mehr Zeit. Daher sind die Preise für Erstaufträge teurer. Bei Folgeaufträgen entfällt in der Regel das Maßnehmen und eine komplette Schnittkonstruktion, da ich aus dem Basisschnitt jeden anderen Schnitt entwickeln kann. Das heißt, bei einem Erstauftrag bewegen wir uns für einen Basis-Sportbadeanzug ohne Cups oder Abnäher bei ca. 300,00 €. Wenn Cups für einen besseren Halt integriert werden sollen, müssen Sie mit ca. 350,00 € rechnen. Der Folgeauftrag liegt etwa 100,00 € darunter. Zu den Produktionskosten kommt jeweils noch das Materialpaket hinzu, das je nach Stoffauswahl und benötigten Kurzwaren zwischen € 25,00 und € 55,00 liegt.

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Kommen Ihre Kundinnen dann nur aus der Region?

Nein, das ist nicht der Fall. Ich habe auch Kundinnen, die aus Nord- oder Süddeutschland anrufen und fragen „Frau Specht, ich bin demnächst bei Ihnen in der Gegend – kann ich zu einem Maßtermin vorbei kommen?“.

Gibt es irgendeine Cup-Größe, die Sie nicht mehr bedienen?

Bislang habe ich bis Cup I genäht. Aber natürlich könnte ich auch höhere Größen abdecken. Die Frage ist dann manchmal eher, welche Vorstellungen die Kundin mitbringt. Denn in diesen Größenspektren ist die Passform und der Halt wirklich wichtig. Schon deshalb können die Modelle dann nicht aussehen wie ein Bikini-Oberteil in Gr. 75B. Da muss man dann gemeinsam mit der Kundin einen guten Weg zwischen Style und Passform finden.

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Welche Herausforderungen kann die Maßschneiderei von Bademode noch mitbringen?

Neben Größe und Passform spielt auch die Beschaffenheit des Materials eine große Rolle. Ich habe eine Kundin, die eine besonders ausgeprägte Neurodermitis hat, aber sehr gern schwimmt. Da muss das Material sehr weich, aber dennoch elastisch sein. Alle Gummibänder am Cup-Innenteil müssen gut in den Stoff eingeschlagen werden, damit sie nicht auf der Haut unter der Brust reiben usw.

Meine Kundinnen, die Brustprothesen tragen, sind oftmals noch sehr hautempfindlich in Bereichen, in denen Narben liegen. Glücklicherweise deckt der Bademodenstoffmarkt heutzutage wirklich sehr viele Bedürfnisse ab, so daß ich auf sehr weiche Stoffe, die sich auch bei besonderer Hautempfindlichkeit eignen, zurückgreifen kann. Außerdem kann ich bei der Schnittkonstruktion auf den Verlauf der Narben achten, indem an diesen Körperstellen dann keine Nähte verlaufen oder auf den Einsatz von Bügeln verzichtet wird.

Des Weiteren spielt bei der Bademode die Elastizität des Materials eine große Rolle, da es so viele unterschiedliche Materialstärken und –dichten gibt. Die Bademode darf daher nicht „schlabberig“ aussehen, wenn man aus dem Wasser steigt.

Woher beziehen Sie ihre Materialien?

Es gibt in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz einige Lieferanten, mit denen ich eng zusammenarbeite. Dadurch kann ich auch außergewöhnliche Kundenwünsche erfüllen: Zum Beispiel bietet einer meine Lieferanten den Druck auf Badeanzugstoffe an. So kann ich ganz nach Kundenwunsch eigene Bilder oder Designs drucken lassen.

Was war denn das bisher Abgefahrenste, was sie bisher produzieren durften?

Das war tatsächlich Bademode in einer sehr großen Größe. Die Kundin war müde, im Handel nur braune und schwarze Modelle in ihrer Größe zu finden und wollte etwas richtig fröhlich Buntes tragen. Sie hat sich von mir einen Tankini in Orange-, Gelb-, Grün-Tönen schneidern lassen und einen Badeanzug für Aquajogging in einem frischen Türkisblau.

Diese Aufträge haben wirklich Spaß gemacht, da sie so farbenfroh waren. Viele, gerade korpulentere  Kundinnen trauen sich einfach nicht, auffallende, fröhliche Farben zu tragen. Diese Kundin hatte damit aber gar kein Problem. Ihre Devise war „Jetzt erst recht, denn ich bin, wie ich bin und will auch im Schwimmbad schön aussehen“.

Herzlichen Dank, Frau Specht, für Ihre Zeit und das nette Gespräch!

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Autor: Tina Stavemann
Bildnachweise
Titel: Kris Atomic / unsplash.com
Beitrag: Claudia Specht, Tüll & Spitze – Maßatelier für Dessous und Bademoden

 

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