Die Sportart Aquafitness wurde in den Swinging Sixties in den USA begründet. Einige Trainer/innen, die sich auf medizinische/therapeutische Wassergymnastik spezialisiert hatten, boten ihre Programme auch außerhalb ihres klinischen Wirkungskreises, z.B. bei Vereinen, an und brachten damit eine ganze Bewegung ins Rollen.

Die Organisation YMCA ( Young Men’s Christian Association) nahm bereits zu diesem Zeitpunkt Aquafitness in sein Programm auf und dürfte zur Verbreitung in großem Maße beigetragen haben. Bis heute werden dort landesweit Aquafitness-Kurse angeboten.

Aquafitness – Ein Trend schwappt von den USA in die Welt

Ab ca. 1975 formierte sich eine neue Garde der „Aquafitness-Pioniere“. Diese Trainer entfernten sich von der ursprünglich therapeutischen Ausrichtung und kamen eher aus Sportarten wie Schwimmen, Tanz oder Aerobic. Mit ihnen erreichten die Aquafitness-Konzepte langsam auch andere Länder – u.a. in Europa.

Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre verbreitete sich Aquafitness schließlich weltweit. Viele professionelle Trainer exportierten ihre Konzepte, Workshops und Konferenzen ins Ausland – oftmals auf direkte Einladung. Zusätzlich wurde der „Akwa letter“ der 1986 gegründeten Aquatic Exercise Association ab 1989 auch Abonnenten in Neuseeland, Südostasien, Europa etc. zur Verfügung gestellt und sorgte für noch mehr Auftrieb für die Bewegung. Das Magazin wird bis heute von der AEA erstellt und weltweit vertrieben.

Zusätzlich wurde Aquafitness auch für die Sportartikelbranche wirtschaftlich interessant: Deshalb übertrug der Schwimmartikelhersteller Speedo der Aquafitness-Trainerin Mary Sanders 1991 die Aufgabe, Aquafitness weltweit bekannter zu machen.

Mary Sanders hatte zuvor ein Aquafitness-Ausbildungsprogramm entwickelt, das Speedo übernahm. Fortan vertrieb sie ihr Produkt für Speedo unter dem Namen „Speedo Aqua Fitness System“ in 33 Ländern der Welt.

Die Wassertherapie hat eine lange Tradition in Deutschland

Angesichts dieses professionellen Produktexports sollte man meinen, dass Aquafitness sich schon früher als ernstzunehmendes Fitnessprogramm hätte etabliert haben können.Doch leider wird Aquafitness hierzulande von Menschen, die es nie ausprobiert haben, noch immer oft als „Oma-Sport“ abgetan. Wie variantenreich und auch fordernd diese Sportart sein kann, ist nur den Aktiven bekannt.

Ein Grund dafür ist sicherlich unsere eigene Wassertherapie-Historie. Denn bis in die 60er Jahre war Deutschland in diesem Bereich federführend. Die Wassertherapie wird sogar als grundlegend für die im 18. Jahrhundert aufkommenden Gymnastikformen angesehen. Dem zufolge ist unser Erbe deutlich älter als dass der USA.  Scheinbar dauert es deshalb auch länger, neue Formen dieser Bewegungsart zu etablieren.

 

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Aquafitness-Vorreiterin Margot Zeitvogel

Eine der Pionierinnen für den Aquafitness-Bereich in der DACH-Region ist Margot Zeitvogel.
Die Gymnastiklehrerin hat erstmals 1979 Wassergymnastik angeboten. Ihre Methode bezog sich insbesondere auf die Unterschiede der Gelenkbelastung an Land und im Wasser. Der Körper sollte durch Lockerung, Kräftigung und Dehnung ganzheitlich beansprucht werden.

1982 entwickelte sie das Z-Aquatraining, das nicht nur eine breite Medienaufmerksamkeit auf sich zog, sondern später als ergänzendes Training auch in den Hochleistungssport einzog. Insbesondere bei Ski- und Biathlon-Athleten kam es zum Einsatz.

Später entwickelte Frau Zeitvogel auch Programme, die sich speziell an Kampfsportler richteten und sowohl an Land als auch im Wasser ausgeführt werden konnten.

Margot Zeitvogel ist bis heute mit eigener Praxis aktiv.

Medien und Verbände verbreiten die Sportart Aquafitness

Mitte der 80er Jahre wurde Aquafitness in Deutschland auch aus sportwissenschaftlicher Sicht interessanter und Medien und Verbände begannen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Zusätzlich sammelten deutsche Trainer Erfahrungen im Ausland und setzen diese in ihre Heimat neu um.

Neben Speedo, die das Thema Aquafitness weiter vorantrieben, forcierten nun auch die Schwimmverbände die Bekanntmachung dieser noch recht jungen Bewegungsform. Zum Beispiel entwarf der Schwimmverband NRW 1994 den Aquafitness-Kompass, um mehr Klarheit in die unterschiedlichen Trainingsprogramme zu bringen.

Immer mehr Institutionen sprangen auf diese Welle auf, so dass wir heute eine breite Auswahl an Aquafitness-Anbietern vorfinden: Schwimmvereine, Volkshochschulen, Sportvereine, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Schwimmschulen, Physiotherapiepraxen, Thermen und Wellnessoasen.

Aus meiner Sicht ist der Entwicklungsprozess jedoch noch lange nicht abgeschlossen, denn die Nachfrage steigt kontinuierlich an und gut ausgebildete Trainer werden teils händeringend gesucht.

Bildnachweis: Maenner Aehm / photocase.de

 

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