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Die Odyssee als erwachsener Nichtschwimmer: Auf ins kühle Nass, ich gebe nochmal Gas!

Tina Stavemann / Aquamondo

Mit dieser hoch motivierten Devise blickst du aufgeregt und erwartungsvoll deiner ersten privaten Einzelschwimmstunde samt Lehrer/ in entgegen. Die vielen gescheiterten Anläufe, nicht umgesetzten Ratschläge und Hilfestellungen sowie sämtliche Nasenspülungen verdrängst du. Heute ist es also so weit. Du möchtest endlich all deine Skepsis und negativen Emotionen in Bezug auf Wasser, zum Thema Schwimmen lernen,  zu unschönen Erfahrungen oder einfach nur zu versäumten Möglichkeiten, hinter dir lassen.

Vorbei sind die Zeiten als Nichtschwimmer!
Du tauchst ein in die Welt von Seepferdchen & Co.!

Schnell noch ein paar Schlappen und Handtuch eingepackt, wühlst du im Schrank und suchst dein Schwimm-Outfit. Da wo man sonst nie ran muss, liegt deine Badehose und guckt dich mitleidig an. Sie verschwindet in deiner Badetasche und ab geht die Post.

Auf dem Weg zum ersten Schwimmtermin, machen sich Vorfreude, Motivation aber auch Nervosität und Unbehagen in dir breit. Diese Gefühle dürfen durchaus sein und du darfst sie als völlig normal bewerten, denn es ist im Prinzip, wie in ein wildes Karussell steigen, in das man sich eigentlich gar nicht hinein traut. Das Ganze gesteigert, denn wer steigt halb nackt in ein Karussell? Diese besondere Gefühlslage sollte sich jeder Schwimmlehrer bewusst machen und vor der ersten bevorstehenden Begegnung mit seinem Teilnehmer verinnerlicht haben. Dann kann er dem Schwimmneuling über diese Schwelle unterstützend hinweg helfen.

Du kommst langsam in deiner neuen Situation als zukünftiger Schwimmer an.

Ich handhabe es immer so, dass ich den Kunden vor seiner Fahrt im Wasserkarussell persönlich und bekleidet empfange und ihm ein lockeres Willkommensgespräch, gegenseitiges Vorstellen und „geistiges Ankommen“  ermögliche. Ich schließe noch nicht den Bügel und kassiere noch nicht den Fahrchip.

Anschließend zeige ich meinem Schwimmgast, wo er sich umziehen kann und bitte ihn, dies in aller Ruhe zu tun. Es ist mir wichtig, seiner möglichen inneren Unruhe mit sehr viel Ruhe und Wohlgefühl zu begegnen und keinen zusätzlichen Stress zu erzeugen. Ganz bewusst erwähne ich, dass ich mich nun auch umziehen werde, um  mich auf eine gewisse Augenhöhe zu begeben. Darüber hinaus erwähne ich, dass wir noch nicht sofort ins Wasser gehen und er/sie, sich ein Handtuch um hängen kann oder zunächst noch T-Shirt und Schlappen anlassen kann. Nachdem wir uns beide in der gleichen, leicht bekleideten Situation befinden, begeben wir uns erstmal zusammen an den Beckenrand unserer Schwimmstätte. Hier beobachte ich sehr genau die Körpersprache meines Gegenübers. Von eingerollter bis stolzer Brust, von angespannt bis schlaff, von zitternd bis schwitzend, von lächelnd bis weinend, habe ich alles schon an Körpersprache gesehen. Bestimmt erkennst du dich selbst und deine eigene Körpersprache auch darin wieder?

Dein Schwimmlehrer rekapituliert euer Vorgespräch, um sich auf deine persönliche Situation einzustellen.

In dem Moment nehme ich nochmal Anschluss zu unserem ersten Telefonat auf und spreche mein daraus erworbenes Vorwissen nochmal konkret an. Ich signalisiere, dass ich alle Informationen verarbeitet habe und deine Belange als Nichtschwimmer ernst nehme. Häufig kommen noch ein paar weitere verwertbare Aussagen dabei hervor. Kurz bevor es dann endlich ins Wasser gehen soll, ist es mir besonders wichtig zu erfahren, wie DU dich jetzt gerade genau fühlst. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich in diesem Moment die Emotionen von Kunden sind. Der eine freut sich und der nächste beschreibt sich mit einem ängstlichen Gefühl.

Dein Schwimmlehrer zeigt dir, wie weit du dich ins Wasser wagen musst, um zu starten.

Mit all dem Wissen leite ich den Gang zur Dusche an und schon stehen wir beide geduscht vor den Stufen ins kühle Nass. Ein professioneller Lehrer zeigt dir jetzt erstmal, bis wohin ihm selbst das Wasser im Stand gehen wird und stellt dir anhand dieses Maßes dar, wie weit du dich wagen musst. Es ist klar, dass es ein ganz anderes Körpergefühl ist, ob dir das Wasser bis zur Brust oder bis zum Hals ragt. Ob die Arme noch über oder komplett unter der Wasseroberfläche sind.

Dies ist insbesondere für sehr ängstliche Schwimmschüler wichtig. Je nach individuellem Befinden des Schwimmanfängers startet nun ein verantwortungsvoller, gemeinsamer Gang ins Wasser und zwar Hand in Hand. Auf alle Fälle biete ich dir meine Hand an. Und meist nimmt sie jeder gerne. Dabei wird auch eine besondere Verbundenheit erzeugt und in dem Moment sind wir schon ein Team.

Du und dein Schwimmlehrer – ihr seid ein Team!

Sowieso ist der Schwimmunterricht mit erwachsenen Nichtschwimmern ein überwiegend gemeinschaftliches Lernen. Ich bilde mit jedem Schwimmschüler ein Team. Mit jedem, der sich selbst als ängstlich bezeichnet, spaziere ich nun Hand in Hand, kreuz und quer im Wasser umher. Dabei fühle ich deinen Muskeltonus und kann daran wahrnehmen, wie verkrampft du bist und ob du dich an meiner Hand nach und nach sicherer (an-)fühlst. Sobald ich einen entspannten Muskeltonus und sicheren Spaziergänger an meiner Seite spüre, kann es weiter gehen. In der Regel dauert das keine 5 Minuten.

Was genau ist deine Angst im Wasser?

Im nächsten Schritt gilt es, je nach Schüler versteht sich, heraus zu finden, was genau er mit dem Begriff „Angst“ beschreibt, sofern diese geäußert wurde. Oder was ihn gefühltermaßen sonst gehindert hat, schwimmen zu lernen. Häufig wird das Wort Angst völlig überstrapaziert und es verbergen sich ganz einfache Phänomene wie Sorge vor Kontrollverlust, falsche Körperwahrnehmung und Vorstellungen, physikalische Unwissenheit oder über Jahre manifestiertes Denken „Ich habe Angst im Wasser“ dahinter. In den seltensten Fällen sprechen wir von wirklicher Todesangst bzw. der Angst vor dem Ertrinken oder einem schweren Trauma. Wie ist es bei dir?

Der Unterschied beim Schwimmen mit Erwachsenen zu Kindern ist, dass einfach der Kopf eine viel zu große Rolle einnimmt und alles nur noch mit Verstand und Kontrollzwang angegangen wird. Der Verstand ist für uns Lehrer auch ein Vorteil, denn man kann genau mit dem Verstand und dem Kopf arbeiten. Der ständige Kontrollzwang von uns Menschen, ist häufig ein Nachteil, denn er hindert manche sich einfach zu lösen, fallen zu lassen und das Schweben im Wasser zu zulassen.

Das Wissen um physikalische Gesetzmäßigkeiten und Körperkontrolle machen deinen Start als Schwimmer viel einfacher.

Das Vermitteln von Wissen, Erklärungen zu physikalischen Gesetzmäßigkeiten, Erklärungen und Übungen zum Thema Körperkontrolle im Wasser, liefern den ersten großen Grundstein und eine stabiler werdende Lernbasis, ohne Skepsis und ängstliche Neigung.
Der Kopf wird zunächst ein wenig umprogrammiert. So lernt ein erwachsener Schwimmanfänger bei mir in der ersten halben Stunde beispielsweise eine Sicherheitsübung kennen, die wir zig Mal wiederholen, um dem kopflastigen Neuling aufzuzeigen, wie er Chef über seinen eigenen Körper wird und wie er sich bei einem Kontrollverlust schnell wieder aufrichten kann.

Das Fühlen ist im Wasser wichtiger als das Denken.

Was genau passiert, wenn du die Kontrolle verlierst?  Wann schaukelt ein Boot unkontrolliert im Wasser und lässt mit sich machen, was das Wasser vorgibt und wann ist das Boot König der Wellen? Was meldet mir mein Kopf und was müsste mein Körper eigentlich tun, wenn ich vom Wasser dominiert werde? Das richtige Verhalten und das was man tatsächlich tut, klaffen meist weit auseinander.

Der Kopf meldet einem Nichtschwimmer, ich will meine Füße auf die Erde stellen. Danach wird der Körper, so wie am Land reagieren und auf Erdanziehung hoffen. Er wird versuchen einen Fuß nach dem anderen zum Boden zu stellen und genau dabei kam es dann immer zu negativen Erfahrungen. Während das eine Bein vom Auftrieb nach oben katapultiert wird, sucht das andere den Weg zum Boden. Dabei hebelt der Auftrieb den Körper ins Ungleichgleichgewicht und es kommt, was kommen muss. Erklärt man einem Erwachsenen anhand der physikalischen Wassereigenschaften genau, was da passiert, sieht man ein staunendes Aha.

Was für uns Schwimmer selbstverständlich ist, muss ein erwachsener Nichtschwimmer erst verstehen. Das Fühlen ist häufig sehr viel weniger aktiv als das Denken. Erklärt man ihm nun, dass der Körper sich im Wasser nur aufrichten wird, wenn man einen Körperschwerpunkt unter sich erzeugt und indem man die körpereigene Fläche auf dem Wasser reduziert, hört der Neuling sehr interessiert zu.  Führt man ihm dann vor, das man genau das tun muss, was der Kopf so gar nicht will, nämlich beide Beine gleichzeitig und ruckartig, eng vor den Bauch ziehen, um mit dem Aufrichten beide  Füße gleichzeitig, schnell und  dominant zum Boden drücken,  strahlt einen der Nichtschwimmer erleuchtet an.

In deiner ersten Schwimmstunde gewinnst du Vertrauen und Sicherheit im Wasser.

Es ist in einer ersten Schwimmstunde so ähnlich, wie bei einem Fahrsicherheitstraining. Häufig machen wir intuitiv das Falsche, wenn wir die Kontrolle verlieren. Mit der nötigen Erklärung und dem Training des richtigen Verhaltens, gewinnen wir Vertrauen bzw. Sicherheit und bekommen im Ernstfall die nötige Kontrolle. Das funktioniert und lässt sich ohne einen Meter selbst zu schwimmen üben. Vielen erwachsenen Schwimmanfängern hat es bisher die nötige Basis geboten, sich direkt mehr zuzutrauen.

Nicht jeder hat diese Sicherheitsübung nötig. Wichtig ist der individuelle Weg. Wenn die nötige Basis geschaffen ist, dass sich der Kunde entspannt auf dem Bauch auf das Wasser legt (auch mit Hilfe), heißt es zudem in der ersten Schwimmstunde „Vormachen“.
Zeig mir was du kannst oder schon mal gelernt hast! Zeig mir einfach was du meinst, was könnte die richtige Bewegung sein? Mach‘ hemmungslos Schwimmbewegungen, die du abrufen kannst! Die Armbewegung im Stand, im Wasser, gegen den Widerstand und die Beinbewegung in Bauchlage auf einer Nudel liegend und an meinen Schultern hängend, während ich rückwärts voran gehe und dich ziehe.  Und siehe da, fast jeder kann die Grobform des Brustschwimmens oder eine Teilbewegung davon direkt abrufen.

Dein Schwimmlehrer knüpft mit dir an deine Schwimm-Vorerfahrungen an.

Nun heißt es, das was schon da ist positiv bewerten, sinnvoll verwerten und genau daran, wenn es um technische Schwimmlehre geht, anzuknüpfen. In der ersten Stunde ist es völlig egal, ob du dabei eigenständig schwebst, tauchen, gleiten oder ins Wasser springen kannst. Anders als bei Anfängerkursen mit Kindern, beginnt die Arbeit mit dir als Erwachsenen im Kopf und nicht mit einer Wassergewöhnung oder technischer Bewegungsvermittlung.

Nach dieser Stunde wirst du als Kunde mit einem guten und glücklichen Gefühl nach Hause fahren. Die erste Hürde im Kopf ist gebrochen. Er ist neu programmiert und mit wichtigem Wissen gefüllt. Du weiß jetzt, dass du in guten Händen bist, denen du vertrauen kannst.
So wirst du mit Sicherheit gerne und erfolgreich weiter machen.

Völlig motiviert und trotzdem erschöpft, fährst du als frisch gebackener Wassereroberer heimwärts. Die Badehose bekommt ab sofort einen Platz, an den du schnell wieder dran kommst. Denn nun heißt es nicht lange warten. Bis zur nächsten Schwimmstunde sollte keine Woche vergehen. Es ist wichtig, aus dieser guten Energie direkt weiter zu schöpfen und möglichst zeitnah wieder ins Schwimmbecken zu steigen.  Sowohl dein Schwimmlehrer als auch du, sollten beide bei der Planung über ausreichend Zeitfenster innerhalb von 2-3 Wochen verfügen, um intensiv zu üben.  Heißt im Klartext: „RAN ZIEHEN, AUSEINANDER UND ZUSAMMEN, SCHAUFELN, KLAPPEN, STRECKEN…“

Lies‘ einfach alle zwei Wochen hier bei Aquamondo weiter:

 

 

Autor: Inga Fastabend
Bildnachweis: Tina Stavemann

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