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Die Odyssee als erwachsener Nichtschwimmer: Meister fallen nicht vom Himmel!

„Ran ziehen, auseinander und zusammen, schaufeln, klappen, strecken…“ Immer wieder hörst du die unterstützenden Worte. „Das sind ja 6 Wünsche auf einmal“ denkst du und versuchst deine Arme und Beine im richtigen Fortbewegungsrhythmus zu koordinieren. Obwohl du rundum von Wasser umgeben bist, fühlst du dich bei den unzähligen Wiederholungen und der unermüdlichen Geduld deines Coaches auf einer Durststrecke. Du schwimmst gefühlt auf der Stelle. Arme und Beine, dein Antrieb, sind auf volle Kraft voraus programmiert, aber alles erscheint dir unergiebig. Nun heißt es nicht aufgeben. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und wer sagt überhaupt, dass Schwimmen lernen einfach ist?

Schauen wir zurück: In den ersten zwei Artikeln hatte ich davon berichtet, wie du den richtigen Schwimmlehrer finden kannst und wie sich eine erste professionelle Schwimmstunde gestalten müsste, die einzig auf deine Bedürfnisse und eventuellen Unsicherheiten abgestimmt ist. Du bist diesen Ratschlägen gefolgt und befindest dich nun in einer fortgeschrittenen Unterrichtsstunde.

Du entwickelst dich langsam vom erwachsenen Nichtschwimmer zum Schwimmer. Nun heißt es „Dranbleiben“!

Ihr habt euch mit Schweben, Tauchen, Auftreiben und Gleiten beschäftigt und dein Kopf ist inzwischen freier und dein inneres Gefühl entspannter, wenn du dich auf das Wasser legst. Dein Lehrer hat dir die technischen Teilbewegungen gezeigt, ihr habt diese zu einer Bewegung zusammen geführt und nun liegst du auf einer Poolnudel, oder auch ohne Auftriebshilfe, auf dem Wasser. Die unterstützenden Hände deines Schwimmlehrers sind immer in unmittelbarer Nähe, was sich nach wie vor beruhigend anfühlt. Doch trotzdem machen sich Ungeduld und Enttäuschung in dir breit. Was bisher in ca. 3-4 Stunden so schnell voran ging, scheint nun zu stagnieren. Bleib jetzt unbedingt am Ball, gib‘ nicht auf!

Es ist ganz normal, dass es ab einem gewissen Punkt nicht geschwommene Meter vom Himmel regnet. Wir befinden uns noch immer in stehtiefem Wasser und du schaffst beschwerlich deine 4-8 Meter, aber von einer Seepferdchenstrecke (25 m) fühlst du dich noch weit entfernt. Erwachsene werden an diesem Punkt oft schnell ungeduldig oder missmutig. Immer wieder schwimmst du los, startest ganz ruhig und kommst an derselben Stelle wie vorher zum Stehen bzw. aus dem Rhythmus. Dies hat viele verschiedene Ursachen und von Schüler zu Schüler sind diese Ursachen anderer Herkunft.

Es kommt nicht auf die perfekte Schwimmtechnik an. Für dich gilt jetzt nur üben, üben, üben.

Es können konditionelle, technische, mentale oder ein Mix aus allen die Hintergründe dafür sein. Es ist an der Stelle jedoch nicht der richtige Zeitpunkt, sich jetzt mit dem Lehrer gemeinsam auf die konditionelle Reise zu machen oder Feinschliff als Maßstab zu setzen. Haben Sie schon mal ein Kind schwimmen sehen, was nach ca. 10 Stunden einen Schwimmkurs verlässt? Da unterhalten wir uns auch nicht über Technikschulung oder andere Details oder darüber, dass das Kind dringend seine Kondition aufbauen muss. Die üblichen Empfehlungen nach solchen Kursen sind, regelmäßig mit den Eltern schwimmen zu gehen und zu üben oder Anschlusskurse 1x wöchentlich zu belegen, in denen das Schwimmen gefördert und routiniert wird. Auch bei einigen Kindern muss nur der Kopf noch ja sagen, bis sie sich endgültig lösen.

Würde man dich in dieser Stunde filmen, was ich immer als unterstützendes Werkzeug einbaue, wärst du positiv überrascht, wie stimmig deine Bewegungen schon aussehen, auch wenn es sich ganz anders anfühlt. Dass es sich anders anfühlt, ist auch darauf zurück zu führen, dass Brustschwimmen eine für dich ungewohnte Bewegung ist. Manche, eher unsportliche erwachsenen Schüler, spüren dabei völlig neue Muskeln. Zudem ist es A-typisch zu vielen anderen bekannten Bewegungsformen, wie laufen oder Rad fahren. Nicht umsonst wird dem Brustschwimmen nachgesagt, die technisch anspruchsvollste Schwimmlage zu sein. Konditionell ist das Brustschwimmen dauerhaft entspannter als andere Lagen, da der Hauptantrieb aus den Beinen kommt und wir dort die größten Muskeln haben. Und weil du frei atmen kannst. Doch dafür benötigst du erst noch ein wenig Übung.

Mit deinem Schwimm-Komplizen baust du deine Schwimmroutine weiter aus und legst den Grundstein, dich bald auch allein ins Wasser zu trauen.

An diesem Punkt, an dem es optisch schon ganz gut aussieht, egal ob mit oder ohne Schwimmhilfe, beenden einige ihren Schwimmkurs. Nicht weil sie aufgeben, sondern weil der Kurs zu Ende ist. Sie werden verabschiedet und der Kursleiter kann ein positives Resümee ziehen, denn du bist ja bereits einige Meter richtig geschwommen. Aber genau an dieser Stelle, sollte ein guter Schwimmcoach an eine erfolgreiche Nachhaltigkeit denken und den Schwimmschüler jetzt erst recht weiter unterstützen und beraten. Denn niemand wird sich mit dem momentanen Ergebnis alleine weiter trauen oder herausfordern, in ein Hallenbad zu gehen.

In meinem privaten Schwimmunterricht ist es mir besonders wichtig, dass ich zu einem verlässlichen und dauerhaft bleibenden Schwimmerfolg komme. Daher bitte ich ca. in der 3. oder 4. Stunde, bzw. ab dem oben beschriebene Level, meinen Schwimmanfänger/in darum, sich Gedanken zu machen, welche Person in seinem/ ihrem näheren Umfeld geeignet und bereit wäre, ein paar Stündchen Unterstützung beim Lernen zu bieten. Diese Person bitte ich für 15 Minuten zu unserer privaten Schwimmstunde hinzu.

Dein Schwimmtrainer gibt dir und deinem Schwimm-Komplizen Tipps & Tricks für eure Praxis an die Hand.

In dieser Stunde erkläre ich insbesondere meinem erwachsenen Schüler, dass wir nun an einem Punkt angekommen sind, an dem es wichtig ist, ein wenig Routine und Übung in den derzeitigen Lernstand zu bekommen. Vielen scheint das nicht bewusst zu sein. Ich zeige dem wohlbesonnenen Unterstützer, wie er nun in den nächsten zwei bis drei Wochen genauso einfühlsame Hilfestellungen bieten kann, wie meine Wenigkeit. Ich weise denjenigen inständig darauf hin, dass es ganz besonders wichtig ist, den Schwimmneuling, der vor einigen Tagen noch große Angst hatte, zu respektieren und auf keine Fall zu überfordern, nicht zu Experimenten zu überreden und nur das zu üben, was dieser sich wünscht und vorgibt. Das Ganze nach wie vor ausschließlich in stehtiefen Wasser. Ich erkläre dem Helfer, wie er die nötige Sicherheit und richtige Griffe bieten kann. Ich erkläre meinem Stellvertreter auch, worauf es mir gar nicht ankommt, zum Beispiel technische Feinheiten, denn davon sind wir noch entfernt und diese benötigen wir nicht zwingend um uns fort zu bewegen.

Gehe mal morgens um 7.00 Uhr in ein Hallenbad und beobachte 10 Senioren beim Brustschwimmen. Du wirst staunen, wie viele unterschiedliche Schwimmstile, die ein Brustschwimmen darstellen sollen, du sehen wirst.  Künstliche Gelenke, müde Knochen und andere körperliche Einschränkungen liefern den Beweis, dass die Technik nicht den Erfolg für einen Neuling ausmacht, sondern für einen Wettkämpfer. Darüber hinaus bitte ich meinen Schützling und seinen Ersatztrainer in den nächsten 2 Wochen mindestens 1-3 Mal  für kleines Geld üben zu fahren. Ich gebe Tipps, welche Bäder gut geeignet sind und wo und wann man relativ ruhige Becken, Umgebung und angenehm warme Flachbereiche vorfindet. Dieser Schritt ist für den weiteren Lernverlauf wichtig, da dem Kunden Eigeninitiative abverlangt wird. Einer der entscheidenden Erfolgspunkte ist, dem Anfänger einen Teampartner mit zu schicken, denn genau daran verliert sich oft der Erfolg, da das Element Wasser in den Anfängen noch zu viele Gefahren bietet. Trotzdem wird der Weg, künftig auch allein in ein Hallenbad zu gehen, bereits geebnet. Zudem ist die Erkenntnis, dass es auch ohne mich gehen wird, sehr wichtig und maßgebend für den Kopf und die Nachhaltigkeit.

Zum Ende dieser Schwimmstunde gebe ich den beiden noch eine Schwimmnudel als Schwimmhilfe mit. ich bitte sie, diese zu ihrem gemeinsamen Einsatz mit zu nehmen und die Übungseinheiten ohne mich, zunächst jedes Mal darauf zu beginnen, bis die neu erlernten Brustschwimmbewegungen sich wieder halbwegs vertraut anfühlen. Dann beginnt das gemeinsame Abenteuer, das Sammeln von Routine und Erfahrung, auch ohne Enttäuschung.

Bei der nächsten Schwimmstunde mit deinem Schwimmtrainer bist du schon viel routinierter mit deinen Bewegungen.

Einen Folgetermin, der etwa zwei bis drei Wochen später wieder bei mir stattfinden wird, gibt es natürlich schon und ich bin gespannt auf die Berichte über Erfolge und Misserfolge und auf die Ergebnisse, die immer sehr unterschiedlich ausfallen. Eins ist jedoch sicher, es ergeben sich immer Ergebnisse, die den Schüler weiter bringen. Du fragst dich, was soll das alles? Du wirst auch kein Tennisspieler, wenn du nur Trainerstunden nimmst. So wirst du kein Match gewinnen können. Auch der Tennistrainer wird dir ans Herz legen: „Geh spielen.“

„Nun aber los, ich entlasse Dich jetzt in deine Erfahrungseinheit ohne mich und in zwei Wochen sehen wir uns hier wieder!“ Dann heißt es „Volle Kraft voraus, der Motor läuft, der Auftrieb wirkt, die ersten Meilen sind gemacht.“ Denn noch bist du nicht am Ziel angekommen, wir cruisen noch immer durch das Flachwasser.


Lies‘ einfach alle zwei Wochen hier bei Aquamondo weiter:

 

Autor: Inga Fastabend
Bildnachweis: Tina Stavemann

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