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Die Odyssee als erwachsener Nichtschwimmer: Du hast den Bogen raus!

„Volle Kraft voraus, der Motor läuft, der Auftrieb wirkt, die ersten Meilen sind gemacht“ und der Kapitän deines Körpers bist endlich du selbst. Du hast die Kontrolle über ihn gewonnen und steuerst nun siegessicher durch das Lehrschwimmbecken. Plötzlich ist er da, dein Eisberg, und eine neue Herausforderung bringt dein Körperschiff in Unruhe. Wirst du diese Herausforderung bezwingen?

Ich bin sehr gespannt, was sich in den letzten 2-3 Wochen bei dir getan hat, seit ich dich bat, mit deinem Schwimm-Komplizen das bisher Erlernte eigenständig in einem Schwimmbad zu üben, um ohne mich Routine in deine Bewegungen zu bekommen. Bestimmt hast du einiges zu berichten?

Dank deines eigenen Schwimm-Trainings mit deinem Komplizen hast du mehr Selbstvertrauen im Wasser

In der Regel halten sich alle erwachsenen Schwimmanfänger an den abgemachten Plan und gehen mindestens 1x mit einem Übungspartner in ein Hallenbad. Fast alle haben es dort mit Hilfe und ein wenig Überwindung geschafft, mindesten das abzurufen, was wir zuletzt gemeinsam geschafft hatten oder tatsächlich noch viel mehr. Viele haben dank dieses Weges mehr Selbstvertrauen im Wasser bekommen und schwimmen plötzlich im Anschluss wesentlicher gelöster. Auf jeden Fall wird Verständnis dafür aufgebaut, dass nur durch regelmäßige Eigenleistung eine Routine und nachhaltiger Erfolg entstehen können.

Sich über Wasser zu halten und fort zu bewegen ist das Eine, jedoch ein sicherer Schwimmer zu sein, das Andere. Deine persönliche Sicherheit hat nix mit der Perfektion und der Optik deines neu erlernten Schwimmstils zu tun. Erst nachdem du die Erfahrung gemacht hast, dass du bestimmten Aufgaben im tiefen Wasser gewachsen bist, kann dein Kopf den Körper komplett frei geben.

Den Begriff „Schwimmsicherheit“ definiert man mit folgenden Fähigkeiten:

  • Sich unter Wasser genauso wie über Wasser zurecht finden.
  • Auf dem Rücken genauso gut Schwimmen wie auf dem Bauch und sich mitten im Becken vom Bauch auf den Rücken und zurück drehen zu können.
  • 15 Minuten ohne Halt und ohne Hilfen im tiefen Wasser schwimmen können.
  • Mehrere Sprünge vom Rand beherrschen.
  • Beim Verschlucken nicht anhalten müssen.

Das nächste Ziel steht an: Schwimmen im tiefen Wasser

Fast jeder erwachsenen Nichtschwimmer, der das jetzt liest, wird auf Anhieb demotiviert sein und sagen, dass schaffe ich nicht. Es muss auch gar nicht unser Ziel sein und soll dich lediglich sensibilisieren. Was auf jeden Fall zu deiner nächsten Etappe des Schwimmenlernens dazu gehören sollte und muss, ist das Schwimmen im tiefen Wasser und der Sprung vom Beckenrand. Diese Übungen sind unumgänglich und müssen noch, bis man dich entlässt, angeleitet und begleitet werden. Es sei denn, dir reicht das Schwimmen in flachen Gewässern schon aus.

Ist also der Zeitpunkt für mich als Schwimmlehrer ersichtlich, aufgrund deines Könnens im Flachwasser,  dass wir den Weg ins tiefe Wasser wagen dürfen und müssen, findet die nächste Schwimmstunde im Tiefwasserbecken statt. Wir sind also in einem öffentlichen Hallenbad. Ich suche mir gerne Bäder mit Becken aus, in denen rundherum auf entsprechender Höhe eine Trittkante ist, die es erlaubt, am Beckenrand stehen zu können. Bevor wir uns gemeinsam in das Schwimmer-Becken begeben, haben wir zunächst im Nichtschwimmer-Becken begonnen und alles Erlernte wiederholt.

Du bist jetzt bereit, dann folge mir über die Badeleiter ins Tiefe und stelle dich zunächst direkt neben der Leiter auf die Trittkante. Dort kannst du entspannt und sicher stehen. Für viele Neulinge ist dieser Moment nochmal eine genauso große Herausforderung, wie unsere erste Begegnung und Schwimmstunde. Plötzlich sind viele Emotionen und die damit verbundene Unsicherheit wieder da, die wir im Flachen bereits in eine positive Begegnung mit dem Element Wasser umgewandelt hatten. Jetzt heißt es als Lehrer nochmal sämtliche Geduld, Verständnis und Einfühlungsvermögen aufbringen und das Maximum an Vertrauen und Sicherheit auszustrahlen, um die letzte Etappe gemeinsam erfolgreich zu nehmen.

Ich gehe grundsätzlich mit dem Schüler ins Wasser und befinde mich wieder direkt an seiner Seite. Und ich habe unsere Schwimmhilfe, die Nudel, dabei. Zunächst tauche ich vor dir einmal fußwärts ab, stelle mich auf die Erde und bitte dich zu beobachten, wie viele cm Wasser von meinem Kopf bis zur Oberfläche reichen und wie schnell ich durch Abstoßen wieder über dem Wasser bin. Hieraus verspreche ich mir, dem denkenden Erwachsenen so einfach wie möglich darzustellen, dass der Weg nach oben  sehr kurz und einfach zu erreichen ist. Im Umkehrschluss, dass es gar nicht so tief ist, wie sie es empfinden. Diese anschaulichen Hilfen sollen die Gedanken in die richtige Bahn bringen und ein mögliches Kopfkino durch konkretes Wissen vermeiden. Ich biete dem Schüler an, es selbst einmal zu testen, den Boden zu berühren und sich wieder nach oben ab zu stoßen. Im nächsten Schritt klären wir, je nach Schüler, ob wir zunächst eine Bahn auf der Nudel am Rand entlang schwimmen oder sofort in die Vollen gehen, was sich dann allerdings vom Streckenverlauf anders darstellt.

Die ersten Schwimmzüge im tiefen Wasser übst du in Nähe des Beckenrandes

Wir lassen heute die Nudel direkt weg. In dem Fall halte ich sie fest, um sie dir ggf. schnell zu geben oder um mir selbst Unterstützung für meine Hilfestellungen im tiefen Wasser zu geben. Die ersten Züge im Tiefen finden bei mir in einer Beckenecke statt. Du überquerst nur ca. 2m innerhalb der Ecke. Je nach Gefühlslage und persönlichem Mut vergrößern wir den Weg in der Ecke. Klappt es gut, steigen wir direkt um auf die lange Bahn. Zunächst am Rand entlang und ich neben dir auf der anderen Seite. Meter für Meter, falls du nicht mehr kannst, sollst du dir den Beckenrand schnappen und dich abstellen.  Je nachdem wie lange der Einzelne zur Überwindung benötigt, üben wir dieses Schwimmen am Rand, bis es einen selbstsicheren Eindruck auf dich und mich macht. Erst dann wage ich mich mit dir mitten durch das Becken, wo kein Rand mehr zur Verfügung steht und du in jedem Fall immer erst zurück schwimmen musst. Das kann tatsächlich alles relativ schnell in dieser einen Stunde klappen, manche benötigen etwas länger, um sich zu überwinden. Hat man diesen Punkt erreicht, ist der Erfolg und das Gefühl des Neuschwimmers riesig und häufig kann der ein oder andere schon jetzt nicht mehr genug davon kriegen und der Ehrgeiz immer weiter zu kommen ist geweckt.

Doch auch die sicherste Fahrt und das schönste Schiff können in Seenot geraten, wenn wir einem Eisberg begegnen. Dein Eisberg kündigt sich Schlussendlich auch an. Die letzte große Hürde mit mir als Trainerin. Geahnt hast du es sowieso und ohne diese Aufgabe zu erfüllen, lasse ich dich nicht aus meiner Obhut und sehe meinen Auftrag nicht als erfolgreich erledigt an. Du musst noch in dieses tiefe Wasser hinein springen, dabei untertauchen, wieder auftreiben und los schwimmen. Erst dann kannst du wirklich schwimmen.

Du bist „schwimmsicher“, wenn du ins Wasser hüpfen und allein los schwimmen kannst

Auch wenn wir im flachen Wasser unzählige Male vom Rand geplumpst und los geschwommen sind, ist der Respekt vor diesem Eisberg groß. Wie ein kleines Kind, was sich nicht traut, stehen viele eingeschüchtert am Rand und zögern. Ich bin unter ihnen im Wasser, habe die Nudel dabei und rede demjenigen inständig und gut zu.  Da alle mir vertrauen und schon so weit gekommen sind,  springen sie los. Noch keiner hat dabei seine Lieblingsdisziplin entdeckt. Doch ich lasse nicht locker. Noch unzählige Male, bis ich mich komplett aus der Übung heraus nehmen kann und vom Rand zusehen kann, wie der Sprung, das Auftreiben und los schwimmen alleine bewältig werden, wiederholen wir es. Alle beißen sich durch diese Übung und verstehen die Notwendigkeit. Und jeder spürt, wir sind am Ziel.

Ab diesem Punkt bin ich bereit dich zu entlassen und lege dir nochmals nah, in den nächsten Wochen und Monaten dringend weiter zu üben und mir ein Feedback zu geben. Auch gestatte und erwarte ich von jedem, sich sofort bei mir zu melden, wenn sich Rückschritte aufzeigen oder Ängste zurückkehren. In der Regel hilft dann ein kurzer Refresher. Es war für mich eine schöne Zeit mit dir als Schwimmschüler und auch mich macht es glücklich, wenn wir dein Ziel erreicht haben.

Während wir uns verabschieden und die letzten Worte austauschen, erzähle ich dir, wie schön es sein wird, wenn du das nächste Mal in den Urlaub fährst und unter blauem Himmel und mit Sonnenschein auf der Haut das Wasser ganz anders erleben wirst.

 

Lies‘ in zwei Wochen hier bei Aquamondo weiter:

Autor: Inga Fastabend
Bildnachweis: Artem Verbo / unsplash.com

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